Es war wie immer. Ich habe mein Leben ganz selbstverständlich gelebt. Alles war mir vertraut, die glücklichen und die weniger glücklichen Tagen, Sorgen - Nöte, der Stress, das Lachen und die Harmonie, das Glück und unvergessliche Momente, jede Menge an Erfahrungen und Eindrücke. Ich hatte mir mein Manifest gebaut, gewisse Dinge waren natürlich nicht kontrollierbar, aber die Grundmauern - mein Schutz - standen fest. Sorgsam und mit jahrelanger Pflege habe ich die Pfeiler und Stützen im Boden - meiner Basis - verankert.
Aber Gebäude und Grundmauern altern mit der Zeit und es bedarf an Sanierung. Irgendwann wurde das Manifest immer maroder und schwieriger in Schuss zu halten. Kaum hatte ich eine Aufgabe bewältigt, brökelte es in anderen Räumen. Eines Tages entschloss ich mich eine Pause zu machen. Ich ruhte mich aus, meine Person hatte zur Abwechslung wieder Vorrang. Gewitter und Stürme von aussen richteten ziemlichen Schaden an, doch das Manifest stand noch. Die Zeit verging und mir ging es immer besser, ich fing an neues aufzubauen als zu reparieren.
Frühling/Sommer. Es kristallisierte sich nach und nach heraus. Meine Wünsche, meine Bedürfnisse. Genug gegeben, Zeit auch mal anzunehmen. Wartezeit - es tat sich nichts. Nur Forderungen an mich, aber kein Geben. Probleme der anderen lösen, eine (vergangene) Langzeitbeschäftigung und die Einsicht, dass das von nun an zu Ende ist. Stop! Zeit des Glücklichseins und des Freuens, keine Katastrophensitzungen mehr.
November, letzten Jahres. Neues Heim, Neues Glück. Erholt. So sollte es immer sein. Keine (mittlerweile) lästigen Anrufe mehr. Niemand der mir meine Zeit und meine Stimmung nimmt. Langsam aber sicher, war brauchte ich das Manifest nicht mehr - ich allein war stark genug.
Das ehemalige “Zuhause” stürzt ein. Jetzt heißt es Loslassen. Trauer, Schmerz. Die Menschen die im Haus mitgelebt haben, werden lebendig begraben. Sie wehren sich, sie geben mir die Schuld. Hätte ich doch besser und härter gearbeitet, nicht alles liegen und stehen gelassen. Aber ich allein habe das Haus getragen und manifestiert und schließlich sich selbst überlassen. Die Anforderung war zu groß und bitter der Schmerz, dass all die Mühe nicht lohnenswert war. Jahre, Tage, Stunden Minuten - so kostbar. Man kann die Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen, aber ich kann nicht verstehen, wie ich mich darin wohlfühlen konnte. In diesem Zuhause. Heute befremdet es mich, macht mich wehmütig und doch ist eine große emotionale Distanz entstanden, die Tag für Tag, größer wird.
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