Sinfonie

Glaube

Dezember 3, 2007 · Kommentar schreiben

Jetzt bin ich hier also gelandet. Ich habe die Brücken zum alten Leben abgebaut. Ich muss neu anfangen und doch sind noch viele alte Verhaltensmuster, die ich nicht ablegen kann. Ich drehe mich noch immer im Kreis. Wird das je aufhören? Ich bin so verunsichert, brauche andauernd Bestätigungen um dann eine pipikleine Entscheidung zu treffen. Ich bin impulsiv und habe dadurch zuvor viele falsche Entscheidungen getroffen oder nicht wiedergutzumachendes Unheil gebracht und jetzt? Jetzt kann ich nicht mal eine Entscheidung treffen ohne tausend Pro’s und Contra’s abzuwegen. Das könnte ich stundenlang, es könnte stundenlang so gehen, bis ich ganz irre werd’ im Kopf. Ein ängstliches kleines Ding steckt da in meinem Kopf.

Auf meinem Pfad des “Neue Freundschaften” schließen, bin ich ja schon über einige Löcher und Steine gestolpert und oft frage ich mich warum ich diesen Weg denn überhaupt beschreite? Ich könnte mich auch zuhause verkriechen! Wer braucht schon Freunde? Ich habe 2 Kinder, meine Familie, einen Freund der manchmal für eine “beste Freundin” herhalten muss und sich mein Gejammer/Frust/Sorgen einen ganzen Tag lang anhören darf…das sollte wohl reichen? Ich sollte mir selbst genügen. Ich hab doch alles was ich brauche….Und doch wenn man weiß wie schön es ist und wie gut es ist, zu wissen dass man einen Menschen hat, mit dem einem soviel verbindet und der dich versteht, egal wie ungeschickt du dich ausdrückt, der ganz genauso weiß was du magst (besser als die eigene Familie, der Partner) und dem manches vielleicht genauso wichtig ist wie dir selbst und du kannst es dann mit ihm teilen, du kannst ganz offen sein und du musst nicht immer stark sein, kannst dich mal daneben benehmen und dich fallen lassen, ohne gleich dein Gesicht zu verlieren.

Das und vieles mehr, was ich trotz allem was mit meinen Freundinnen war…Vermisse ich und obwohl ich versuche neue Wege zu gehen und mich zu öffnen und zu vertrauen und dem Ganzen “Neuen” Zeit zu geben, empfinde ich nichts dabei. Ich bin was Freundschaften angeht, irgendwie leer. Vielleicht liegt es daran, dass ich all die Jahre soviel gegeben habe, mich ausgepowert habe, dass einfach nichts mehr da ist. Wenn ich so mit meinen neuen Freunden da sitze und sie mir sagen, wie nett ich bin und wie toll ich gewisse Sachen mache, dann kann ich es nicht wirklich annehmen. Mir kommt vor, sie reden über jemand anders. Ich fühle irgendwie nichts dabei, ich denke mir dann nur: was mache ich mir hier vor? Ich kann keinem Menschen mehr glauben. Jeder redet soviel, soviel Schönreden und Heucheln und Gefühlsduselein und wenn es drauf ankommt, sitz ich immer alleine da. Und ich sehe soviele Ähnlichkeiten mit meinen alten Freundinnen. Alle sind sie nur mit ihren Problemen und mit ihrem Leben beschäftigt, reden ständig von sich selbst, hören nicht wirklich zu, nicht nicht wirklich interessiert. Ist Euch schon mal aufgefallen wie viele Menschen NICHT zu hören? KEIN ECHTES Interesse haben? Seit dem ich weiß, wie dann alle im O-Ton reagieren (Körpersprache), bin ich verplüfft wie VIELE von der ART mir über den Weg laufen! Und das will ich nicht mehr, diese Art Mensch will ich nicht mehr. Das habe ich hinter mir. Ich habe mich verausgabt und nichts bekommen. Mir Sorgen und Nöte angehört, mich gefreut, geholfen, beigestanden, beschenkt, gegeben, immer treu und ergeben, an mir gearbeitet und was hatte von meinen Bemühungen?

Eine Schulfreundin mit der ich vorkurzem auch noch ganz dick befreundet war – Status Quo? Keine Ahnung, Kein Kontakt – hat mir NIE etwas zum Geburtstag geschenkt. Nicht mal eine Karte, irgendeine Kleinigkeit wo sie mir ihre Zuneigung/Wertschätzung zeigt. Nichts. Jahrelang hab ich nichts gesagt, obwohl es mich bedrückt hat und nach über 10 Jahren (da sieht man wie gestört ich bin) hatte ich es dann geschafft, ihr DAS zu sagen! Natürlich hat sie es umgehauen, dass ich auf einmal damit ankomme. Aber irgendwann als wir wieder zueinander gefunden und uns ausgesprochen hatten, sagte sie mir, sie dachte egal was sie mir schenken würde “es wäre nicht gut genug”. Ziemlich gestört. Aber irgendwie kann ich es zu 50% nachvollziehen. Jemand der soviel wie ich gegeben hat, was kann man dem schon schenken, dass es damit mithalten könnte? Es wäre wohl immer zuwenig. Wie gesagt, irgendwie kann ich es verstehen, trotzdem hätte sie es doch einfach tun sollen anstatt GAR NICHTS. Oder lieg ich da falsch? Ziemlich bequeme Einstellung, wie ich finde!

Wie ich schon sagte, auch  mit der liegt es im Argen. Alle alten Freundschaften sind scheinbar auf Sand gebaut und natürlich ist klar, dass ich auch hier ein Gutes Stück dazu beigetragen habe.

Ich bin aus diesem Alptraum aufgewacht und er dauert noch an. Ich will nicht im Alptraum vom Alptraum aufwachen, ich will im echten Leben aufwachen und sehen, dass doch noch alles seine Richtigkeit hat. Ich will mich nicht mehr komisch fühlen, ich will wieder fühlen und denken können wie früher und dann will ich es ja doch nicht, denn dadurch bin ich ja jetzt hier angekommen….ich will nicht mehr das Gefühl haben, allein (gelassen) zu sein. Ich würde gerne ohne Freundschaft, ohne Freundin auskommen, aber mir fehlt dieser Draht. Mir fehlt diese Tiefe. Die Kinder und mein Freund können das nicht kompensieren. Es funktioniert nicht und das sollte auch nicht so sein.

Warum kann ich mich mit allem wie es in meinen Leben ist nicht zufrieden geben? Warum MEHR wollen? Warum kann ich meine Wünsche, Träume – eigentlich Ziele, nicht einfach begraben. Warum kann ich nicht irgendeinen 5 Tage Bürojob machen und 1 bis 2 mal im Jahr auf Urlaub fahren? Warum ist mir das nicht genug? Ist das so schlimm? Viele Menschen leben so ihr Leben. Sie mögen ihr Job, manche lieben ihren Job und abends wenn sie zuhause sind, sind sie glücklich. Keine Karriere, kein Berühmtwerdenwollen, keine hochgestochenen Erwartungen. Ein gutes Buch, ein schönes Konzert, ein toller Urlaub, das sind die Dinge, die sie erfüllen – mal von der Familie/Partner abgesehen. Warum klappt das bei mir nicht? Warum kann ich DAS nicht leben? Ich habe es jahrelang versucht und dafür hasse ich mich. DAS ist nunmal nicht mein Leben, das bin nicht ich. Ich habe andere Vorstellungen und ich habe nunmal den Drang mich zu entfalten und etwas für mich und andere zu schaffen. Ich habe es geschafft, ein Leben zu führen, dass nicht meines ist…aber ich schaffe es nicht, mein Leben so zu führen wie ich es für richtig halte. Ich schaffe es nicht, gegen die Allgemeine Meinung-die Familie-die Gesellschaft (im kleinen) – stand zu halten. Beim geringsten Widerstand gebe ich auf. Ich habe solche Angst zu versagen, dass mir ihre “Bedenken” nur gerade Recht kommen. Wann habe ich endlich den Mut “ES” ganz durch zu ziehen? Ich bin vom meinem Traum so weit entfernt wie schon lange nicht mehr. Ich studiere etwas, dass mich interessiert, aber nicht erfüllt. Ich mache es jetzt eben und doch wäre ich liebe wo anders.

Glaube…Ich glaube nicht an mich selbst. Ich bin ein Versager – das ist das, was ich glaube. Ich habe bei meinen Freundinnen in jeder Hinsicht versagt, im Berufsleben und in meiner Beziehung. Vieles ist kaputt oder zerrüttet und ich habe kaum noch Kraft wieder aufzubauen. Ich resigniere. Ich schaue nur noch zu. Dinge die ich verändern und kontrollieren kann, da kann ich noch Energie aufbringen. Aber auch hier schleicht sich langsam aber sicher das Versagen ein. Manchmal denke ich, wird alles einbrechen. Alles auf mich einstürzen und nichts kann ich dann man mehr kaschieren. Ich stehe resolut da und bin doch gebrochen. Alles woran ich mal geglaubt habe, alles was mir mal wichtig war – da habe ich versagt.

versagt

Kategorien: Thoughts/Gedanken
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