Bei diesem Exemplar handelt es sich um die 25 Jahre Freundschaft. Zusammen in den Kindergarten gegangen, WG Leben mit 15, Bruch mit 18/Riesenkrach - 3 Jahre kein Kontakt und dann wieder ganz dick. Tja, die klassische Geschichte. Wir sind zusammen aufgewachsen, wir waren/sind Blutsgeschwister – ja diese Zeremonie haben wir wirklich hinter uns – und kein Mensch war/ist mir so nah wie sie. So eine Freundschaft zu beenden macht man nicht leichtfertig, man macht es unter Umständen GAR NICHT, weil doch eine tiefe Verbindung da ist. Aber ich konnte nicht anders. Ich habe wirlich alles versucht und mein Bestes gegeben, aber irgendwann konnte ich nicht mehr soviel geben und wollte es auch nicht. Sie ist besitzergreifend und neigt zu Eifersucht. D.h. nicht nur Eifersucht, weil ich angeblich schöner als sie, dünner als sie, mehr Chancen im Leben als sie, mehr Chancen bei Männern als sie, mehr erreicht im Leben als sie…und so weiter…eine endlos lange Liste. Was soll ich da tun? Ich habe versucht ihr klar zu machen, dass sie ein verzerrtes Selbstbildnis hat, Selbsthass usw. und es nun wirklich nicht so ist, dass ich PERFEKT bin und sie dagegen eine Unzulänglichkeit. Irgendwann hört man sich selber reden und muss einsehen, dass sie dieses Problem nur selbst lösen kann. Aber es ist auch eine destruktive Energie in einer Freundschaft. Man redet zwar nicht mehr darüber, aber man sieht die neidvollen Blicke und muss es verdrängen. Ich wollte immer Gleichstand. Das sich meine Freundin wirklich – echt – freut wenn es mir gut geht oder wenn ich einen Erfolg verbuchen konnte. Das hat nie wirklich so geklappt. Sie konnte das irgendwie nicht. Sie arbeitete ständig gegen mich und machte mich bei Leuten schlecht, für ihre eigenen Zwecke. Wir waren alle in dieser großen Szene. Szenen gibts ja überall. Ob man nun viele Menschen um sich hat, mit denen Dich das -blöde Beispiel - Eislaufen verbindet. Und man geht zusammen eislaufen, probiert zusammen neue Figuren aus usw. Obwohl es andere Bekannte in meinen Leben gab, die darüber gelacht haben und meinte, ja DU und DEINE Leute…aber selbst waren sie in irgendeiner Gruppierung ob in der Arbeit oder Privat, irgendein Club, irgendein Verein, irgendeine Freizeitgestaltung, irgendetwas was verbindet und es ist nunmal so…es gibt da eine Hierarchie und Typen. Darüber könnte ich ein Buch schreiben! Ich habe mich auch von meinen Leuten getrennt. Es war unaufhaltsam. “Sie” war ja schon fest integriert und hatte auch schon fleißig bei meinen Leuten intigriert. Es wurde nur noch gestritten. Viele wußten total intime Sachen, die sie einfach – so zur Unterhaltung – weiter erzählte, darüber mit anderen lachte. Natürlich wurde ich dann darauf angesprochen. Also Vertrauen schon mal weg! Dann hatte ein Freund von mir die Idee eine Zeitung rauszubringen, ich und ein paar andere machten mit. Es machte Spaß, “Sie” wollte auch unbedingt, also verschaffte ich ihr eine Stelle. Schlußendlich, stieg ich wegen ihr aus. Mobbing aller erster Klasse, was sich aber erst später herausstellte. Ich dachte, unüberbrückbare Differenzen mit meinem Chef, der mal ein Freund war, aber es war anders als ich dachte. Ich wurde dann ausgetauscht. “Sie”, die dann schon ganz dick mit dem Chef war, gab die Stelle einer alten -neuen-Freundin, mit der sie auch 2 Jahre kein Wort mehr verloren hatte. Und wer hat interveniert? Die Beiden wieder zusammen gebracht? Na, ICH natürlich. Mein Typ war mit Zeit nicht mehr gefragt. Die Andere wurde Ihre beste Freundin. Natürlich hätte sie das nicht gesagt, denn es wird nicht gerankt
– aber ich war eine Klasse tiefer gerutscht. Die Andere, war auch keine Konkurrenz, wollte auch nichts von Männern da you know, hatte ein Auto und chauffierte Madame um jede Uhrzeit wohin sie wollte. Mit “der Anderen” war ich auch sehr gut befreundet, kennen uns auch schon zig Jahre, also hatte ich nicht wirklich ein Problem damit, ich nahm es zur Kenntnis. Es war ein Phänomen, dass “SIE” alle um den Finger wickeln konnte. Man legte sich ins Zeug für “Sie”, “Sie” hatte für ihre Unverschämtheiten immer einen Bonus, eine neue Chance, ein “Du weißt ja wie sie ist, aber wir lieben sie ja trotzdem”, jeder wollte ihr Freund sein und sie hat viele Freunde. Zuviele wie ich immer dachte. Jedenfalls waren wir irgendwann wieder das alte 4er Gespann und Ärger war vorprogrammiert. Ich mit den Kindern, der Job, die Uni und auch noch eine Beziehung – die anderen fast ausnahmslos SINGLES – hatte nicht soviel Zeit. Musste oft absagen, man kam mir auch kaum entgegen. Keiner kam mich besuchen, ich musste lange Wegstrecken hinlegen um sie zu sehen oder die Nächte in Lokalen verbringen in denen nicht viel Worte gewechselt wurden und die Musik oder die Leute nicht mein Fall waren. Oft war ich einfach müde, vom Tag, vom Leben, aber wer fragte mich schon? Wir sind jung, schau was das Leben bereithällt, jetzt sei nicht so, genieße das Leben, habe Spaß, geh doch auch mal tanzen…ja ja ja…schon gut, aber wenn ich meine Freundinnen sehen will, dann will ich mir nicht immer einen Wegknallen oder gleichzeitig meine kostbare Zeit mit oberflächlichen Modetussis verbringen die nichts können außer COOL, HIPP und TRENDY zu sein. Welche Frisur, welche Klamotten, welche Band ist gerade angesagt? Jessas, diese Sorgen möchte ich haben. 5 Tage Arbeiten, unter der Woche fortgehen, mit nem Kater in die Arbeit, Freitag Wochenende=klamotten für den Diskoabend einkaufen, Mädels einladen, zusammen aufbrezeln, dazwischen 30 GinTonics köpfen und aaaaab in die Disko. ja ist doch schön, aber das hab ich hinter mir!!! Ich habe 2 Kinder und ich bin nicht mehr 20. Hie und da, mach ich sowas mal gerne, aber nicht jeden Freitag/Samstag!!! Ich habe es eine zeitlang versucht, mit zu halten, aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Mein Freund flippte aus – “Du gehst ja nur noch fort. Du gehst mir sicher fremd. Du solltest dich mal lieber um den Haushalt und die Kinder kümmern.” Es wurde mir zu anstrengend und ich kam mir langsam ALT vor. Obwohl ich noch jung bin, kam mir das langsam aber sicher lächerlich vor. PEINLICH einfach peinlich. Was mache ich da?? Wenn ich meine Freundinnen sehen will, muss ich immer nach deren Pfeife tanzen? Nächte in irgendwelchen Spelunken verbringen, wobei sie dann mit mir kaum ein Wort wechseln, weil auf MÄNNERFANG und tausend Bekannte mit denen man ja kurz mal ein paar Worte wechseln muss? Ich kannte sie ja alle schon….Man traf ja immer dieselben und die hatten kaum was Neues zu erzählen. Mein Freund sagte mal, “Süße, wenn du in 10 Jahren nochmal diese Lokalitäten aufsuchst, wirst du sicher noch viele von denen Treffen, mit 40 werden die noch genau dasselbe armselige Leben führen wie heute! Du verpasst nichts, wenn du mal einen Abend oder viele Abende daheim verbringst. Du kannst diese Leute jederzeit wieder sehen. Die werden immer da sein und die werden sich freuen, wenn sie dich wiedersehen
“. Ja und er hat Recht. Ich bin nun seit 3 Jahren kaum noch unterwegs mit meiner alten Clique und seit 1 Jahr praktisch überhaupt nicht mehr. Die Tratschgeschichten sind immer noch dieselben. Die Leute sind immer noch diesselben. Alles wie immer. Ich habe nichts verpasst. Aber trotzdem verbindet uns alle eben etwas. Man kennt einander schon ewig und man freut sich trotzdem wenn man sich mal wieder über den Weg läuft. Aber wieder so ein richtiges Mitglied in der Szene möchte ich nicht mehr sein. Es ist zu anstrengend, man steht irgendwie dauernd unter Druck. Alles wird beäugt was man tut. Ich will so leben, wie ich es für richtig halte und mich frei entfalten können.
Wieder zurück zu “ihr”. “Sie” kam durch mich in die Clique rein. Das ich überhaupt so einen Satz schreibe, grenzt schon an Wahnsinn
– Ja, es wirklich so wie in diesen Hollywood-High School-Filmen -schrecklich!!! Ja jedenfalls, ist “Sie” drin und will “aufsteigen” in der Hierarchie des Szenedaseins. Langsam aber sicher mobbt sie mich raus – wofür ich ihr allerdings fast dankbar sein muss – und unsere Freundschaft geht ein für alle Mal zu Bruch.
Nicht nur, dass sie mich in all den Jahren um jede erdenkliche Uhrzeit anrufen durfte um mich voll zu jammern (ich habe es ihr ja tausendmal angeboten!!), meine ihr anvertrauten Geheimnisse anderen Männern erzählte um jegliches mögliche Interesse an mir mal gleich auszulöschen- denn sie war ja schon sehr verzweifelter Single – nein, sie machte mich überall hinter meinem Rücken schlecht, aber sagte es mir nicht ins Gesicht, heuchelte mir Freundschaft vor, obwohl sie mich mehr hasste usw. eine Hassliebe, die ich nicht mehr ertragen konnte.
Schon gegen Ende unserer Freundschaft, verletzte sie mich auf sehr brutale Weise. Ja, wirklich. Mit lauter alten Sachen aus unserer Kindheit, wie ich mal war, wie ich sie im Stich gelassen hatte usw. und jetzt wo ich heule, sie kein Mitleid mit mir habe, da sie ja damals mit 18 auch geheult hatte….usw. für einen Aussenstehenden ist das Ganze natürlich nur Kraut und Rüben, nicht zu verstehen, aber es ist zu kompliziert um es zu erzählen.
Mir war klar, dieser Mensch tut mir nicht gut. “Sie” zieht mich runter. “Ihr” geht es besser, wenn es mir schlecht geht. Jemand der sich selbst nicht lieben kann, der keine Beziehung zu einem Mann aufbauen kann – das kriegt sie bis heute nicht hin – wie kann der mir ein Freund sein? “Sie” hat soviele Probleme mit sich selbst und ich kann nicht immer der Prellbock dafür sein. Ich kann nicht “ihre” Schläge einkassieren. Ich habe mit mir selbst schon genug zu tun, ich kann auch nicht noch “ihre” Probleme austragen.
Tja und dann irgendwann war es geschehen. Beim 2ten Anlauf hatte ich es geschafft und mich von ihr gelöst. Es war sehr sehr schwer und ich habe es heute noch nicht ganz verdaut, weil sie mir so nah war/ist und ich leider nichts daran ändern kann. Ich kann mich nur selbst beschützen und muss NEIN zu einer Freundschaft sagen. Ich kann ihr nicht vertrauen und sie kann ohnehin niemanden trauen. Natürlich kamen wieder Versuche ihrerseits, damit wir wieder ganz dick sind, aber das kenn ich ja schon…irgendwann wäre es wieder WIE IMMER…und nochmals will ich nicht so verletzt und hintergangen werden.
Und nachdem die anderen 2 auch mit drin hingen und bereits gegen mich waren, war mit einem Wisch alles weg
. Ich hatte mich aus dem ganzen befreit und jetzt bin an diesem Punkt angelangt.
Ich habe ihr letzten Monat zum 30er gratuliert. Egal was war, dass musste eben einfach sein und ich hoffte, sie würde sich nichts erhoffen. ABER klar, es entstand ein reger Mailverkehr. Gestern eben meinte sie, dass sie mich auf einem Konzert vermisst hätte usw. und ich schrieb ihr dann zurück, dass ich sie immer noch lieb habe und eben durch unser “zusammen aufwachsen” eine ganz tiefe Verbindung zueinander haben, ich mir aber nicht vorstellen kann, dass wir jemals wieder eine Freundschaft miteinander aufbauen können.
Und das sagte ich ohne Groll und ohne Wehmut. Ich fühlte mich gut dabei, so ehrlich zu sein und den Mut trotzallem noch Gefühl zu zeigen und das zu sagen. Ohne “jetzt habe ich mich wieder hinreissen lassen. jetzt weiß sie, dass sie mir doch nicht egal ist. jetzt bin ich wieder die schwache.” usw. Nein, ich konnte ihr das so offen und klar sagen und war wirklich froh darüber. Langsam mache ich Fortschritte, langsam kann ich wirklich innerlich abschließen. Es wird natürlich noch einige Zeit dauernd, aber es wird schon.
Zu den anderen 2 habe ich keinerlei Kontakt mehr, sie bemühen sich auch nicht darum. Was mich wiederrum bestätigt, wieviel ich “Ihnen” wert war. Die Leben ihr Leben einfach weiter, ich habe darin nie eine große Rolle gespielt. “Sie” hingegen schon, es drehte sich in Wahrheit immer nur um “Sie”, da konnte ich getrost geopfert werden. Tja, sollen sie die 2 um die Gunst von “Ihr” reissen, ich bin ausgestiegen. Ich habe auch mindest Anforderungen/Selbstverständlichkeiten in einer Freundschaft, wenn ich das mal so hart ausdrücken darf.
Danke, dass es soweit gekommen ist, dass ich endlich auch aufstehen und sagen konnte “wer sagt das nur ich geben muss”. Ich dachte immer, Freundschaften muss man sich verdienen, hart erarbeiten und ich habe hart gearbeitet und immer mich reflektiert, welche Fehler ich gemacht habe und was ich verändern muss, damit die Freundschaft noch besser funktioniert. Irgendwann war mir gar nicht mehr klar, dass man mich doch auch “meiner Selbstwillen” mögen kann? Und nicht nur weil ich eine super Freundin bin. Ich bin es wert und ich bin liebenswert.
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